Einleitung

Unter dem Begriff der "dentalen Implantologie" wird ein Teilbereich der operativen Zahnmedizin verstanden, der sich aus dem Lateinischen von dens, dentes "Zahn, Gebiss", im "in, hinein", planta "Steckling, Setzling" und logos "Lehre, Sinn, Rede, Vernunft" ableiten lässt. 1998 wurde die dentale Implantologie als wissenschaftliche Therapie von der "Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde" (DGZMK) sowie der "Gesellschaft für Implantologie" (DGI) anerkannt [29].

Im Rahmen einer implantologischen Behandlung werden schrauben- oder zylinderartige, so genannte "künstliche Zahnwurzeln" im Kieferknochen befestigt. Zahnmedizinisch definiert Spiekermann dieses folgendermaßen: Unter einer dentalen Implantologie ist die "Verankerung alloplastischer Materialien im Bereich des Kiefers zur Schaffung von Halte- und Stützelementen für den Ersatz verloren gegangener Kaueinheiten" [83] zu verstehen. Dabei leistet die Implantologie nicht nur einen kosmetischen, sondern auch einen wesentlichen medizinischen Beitrag zur Gesundheit des Menschen, denn fehlende Zähne oder unentdeckte entzündliche Veränderungen im Zahnbereich wirken sich immer auch auf die Gesamtgesundheit aus und bleiben nicht auf den Mundraum beschränkt [89].

Der Bedarf an Implantaten ergibt sich aus der Häufigkeit der in der Bevölkerung auftretenden Zahnverluste, die es wiederum erlaubt, auf das Ausmaß der Zahngesundheit einer bestimmten Personengruppe zu schließen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass ein Verlust von mehr als acht Zähnen die Kaufunktionalität des Betroffenen negativ beeinflusst [43]. Generell steigt das Risiko eines Zahnverlustes mit zunehmendem Alter, Frauen sind hier stärker betroffen als Männer [45]. Laut der "Vierten deutschen Mundgesundheitsstudie" aus dem Jahr 2006 sind 1,4 Prozent der 35- bis 44-jährigen und 2,6 Prozent der 65- bis 74-jährigen mit einem implantatgetragenen Zahnersatz versorgt. Demgegenüber trugen 1998 lediglich 0,7 Prozent der gesamten Bevölkerung in Deutschland Implantate [59]. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und der prognostizierten Alterung der Bevölkerung kann auch zukünftig eine Zunahme der Zahnextraktionen sowie, damit verbunden, eine steigende Zahl von Implantationen erwartet werden.

Heutige Zahnimplantate bestehen aus dem äußerst körperverträglichen Metall Titan oder aus Zirkoniumdioxid. Sie verwachsen während des Heilungsprozesses fest mit dem Knochen und bilden so die Basis für Kronen, Brücken oder Prothesen. Daher sind auch Erfolge auf dem Gebiet der Totalendoprothetik den stetig fortschreitenden Entwicklungen und Forschungen im Bereich der Implantologie zuzuschreiben [85].

Als Ziel der dentalen Implantologie gilt eine vollständige dentale Rehabilitation, die sowohl die Wiederherstellung von Sprache und Kaufunktionalität als auch eine auf den jeweiligen Patienten bezogene Ästhetik umfasst. Oftmals steht bei einer geplanten Implantatversorgung jedoch kein ausreichendes Knochenlager zur Verfügung, sodass ein Aufbau von Knochenmaterial, die so genannte Augmentation, erfolgen muss, an deren materielle Beschaffenheit hohe Anforderungen gestellt werden müssen [81]. Die aktuellen Entwicklungen im Rahmen der rekonstruktiven dentalen Knochenchirurgie ermöglichen es, auch Patienten mit einem reduzierten Knochenangebot mit festsitzendem Zahnersatz zu versorgen.

Der Erfolg einer Implantationwird in der heutigen Zahnmedizin nicht mehr als Fünf-Jahres-Überleben des Implantats formuliert, vielmehr werden Implantate bezüglich ihrer Funktionalität nach zehn und mehr Jahren beurteilt. Als Komplikation sind Implantatfrakturen, Schmerzen und insbesondere die Periimplantitis zu nennen, wobei letztere durch den induzierten Knochenabbau einen Implantatverlust zur Folge haben kann [54].

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die heutige Zahnheilkunde ohne die dentale Implantologie undenkbar ist [52], wobei sich das Behandlungsspektrum aufgrund der Entwicklungen in den augmentativen Methoden, den eingesetzten Knochen­ersatzmaterialien und den begleitenden chirurgischen Techniken, beispielsweise der "guided bone regeneration (GBR)", deutlich ausgeweitet hat [20]. Hierzu tragen ebenfalls die modernen radiologischen Verfahren wie z. B. die Digitale Volumentomografie (DVT) bei. Auch ist es möglich, mittels computergestützter Navigationssysteme Implantate millimetergenau dreidimensional zu planen und umzusetzen.

Dr. med. Frank Schmidseder hat es sich in seiner Masterarbeit [SCHMIDSEDER, 2014] zum Ziel gesetzt, die Entwicklung der dentalen Implantologie von ihren Anfängen bis heute darzustellen. Hierbei sollen neben den verschiedenen implantologischen Techniken auch die Methoden der rekonstruktiven Knochenchirurgie und die unterschiedlichen Knochenersatzmaterialien beschrieben werden. Da die Entwicklung der dentalen Radiologie einen bedeutenden Einfluss auf den Standard der heutigen Implantologie nimmt, werden in dieser Studie u. a. auch die röntgenologischen Verfahren, die für die Implantologie von Bedeutung sind, thematisiert.

Des Weiteren werden in seiner Arbeit innovative computergestützte Planungs- und Navigationssysteme fokussiert, mit denen es möglich ist, Implanta­tionen minimalinvasiv durchzuführen und so den Patienten einen hohen Komfort und zunehmende Lebensqualität zu sichern.

Der Schwerpunkt der abschließenden Betrachtung liegt auf dem Potenzial, das weitere Innovationen für die dentale Implantologie bieten.